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Hart erkämpfter zweiter Rang beim 24h-Rennen in Paul Ricard

Nach ein paar Wochen Rennpause stand für Lukas Schreier die 24h von Paul Ricard auf dem Programm. In der Nähe von Marseille startete er zusammen mit Daniel Allemann, Herbert Handlos, Alfred Renauer und Nicolas Armindo für das HB Racing Team Herberth. Trotz einiger Probleme gab das Team nie auf und sicherte sich nach 24 Stunden einen sensationellen zweiten Gesamtrang.

Die Veranstaltung sollte von Beginn an kein Spaziergang werden. Unterschiedliche technische Probleme zogen sich durch die Freien Trainings und erlaubten der Mannschaft nur wenige Runden zu fahren. „Paul Ricard ist eine tolle Strecke, aber es ist schwer sich zu orientieren“, erzählt Lukas. „Die Auslaufzonen sind sehr weitläufig und man braucht einige Runden bis man weiß, wo man einlenken und bremsen muss. Unser Porsche 997 GT3 R, mit dem ich hier zum ersten mal unterwegs war, hat sich nur wenig vom Cup-Porsche unterschieden, allerdings hat er mehr Aerodynamik. Dadurch sind die Kurvengeschwindigkeiten viel höher und die Bremspunkte deutlich später. All das waren Gründe weshalb ich anfangs erstmal das Vertrauen ins Auto gewinnen musste.“ Auch im Zeittraining war das Glück nicht auf ihrer Seite: Nicolas saß am Steuer, als dem Franzosen nach zwei schnellen Runden das Differenzial kaputt ging und er die Box ansteuern musste. Immerhin war es ihm gelungen, sich in der kurzen Zeit für Rang fünf zu qualifizieren. „Außerdem ist bei einem 24h-Rennen das Qualifying nicht so wichtig“, erklärt Lukas. „Allerdings stand für uns zwei Stunden später das Nachttraining auf dem Programm, in dem jeder Fahrer zwei schnelle Runden fahren muss.“ Der eigentliche Plan des Teams hatte vorgesehen, Motor und Getriebe direkt vor dem Rennen zu tauschen. Doch da man sich nun sowieso dem Differenzial widmen musste, entschied die Teamleitung gleich den ganzen Antriebsstrang zu tauschen. „Die Mechaniker haben das in einer Rekordzeit von zwei Stunden geschafft. Das war unglaublich.“ Trotzdem waren von dem 90-minütigen Nachttraining nur noch 60 Minuten übrig. Somit gelangen nur noch drei Fahrern zwei schnelle Runden, die beiden anderen Piloten schaffen nur eine. „Allerdings konnten wir dies mit unseren technischen Problemen gegenüber der Rennleitung erklären und alle Fahrer wurden für das Rennen zugelassen“, so Lukas. Allerdings waren erneut technische Probleme aufgetreten: die Traktionskontrolle griff während der Fahrt willkürlich ein und das ABS regelte in wechselnder Stärke. In der Nacht von Samstag auf Sonntag startete die Suche, die schlussendlich im Steuergerät des eingebauten Rennmotors lag. Es waren falsche Daten für die Reifengrößen hinterlegt, damit errechnete der Porsche falsche Raddrehzahlen und löste das Problem aus. Nach einem problemlosen Warmup ging am Sonntag um 14:30 Uhr das 24h-Rennen endlich los: Nicolas fuhr den Start und brachte den Porsche in seinem Stint auf einen sehr guten zweiten Platz nach vorne. Dort etablierte sich die Mannschaft und hatte bald einen guten Vorsprung von zwei bis drei Runden auf die Verfolger und einen Rückstand von etwa einer Runde auf den Führenden. „Um 0:30 Uhr bin ich ins Auto geklettert und als ich aus der Boxengasse fuhr, gab es plötzliche einen Batterie-Alarm“, berichtet Lukas. „Wir haben dann über Funk versucht das Problem zu lösen, aber beim nächsten Stopp wollte das Auto nicht anspringen. Zum Glück funktionierte es durch Anschieben.“ Doch dem Team blieb nichts anderes übrig als später Batterie und Starter zu tauschen. „Hier hatten sich die Mechaniker wieder selbst übertroffen: Sie tauschten Batterie, alle Bremsen, Reifen, tankten nach und das alles in fünfeinhalb Minuten“, ist Lukas begeistert. Ab dann ging es ohne Probleme weiter. Gegen 5 Uhr war Lukas wieder an der Reihe. Das Steuer zu übernehmen. „Da tauchte plötzlich ein Auto hinter mir auf und ich fragte beim Team nach, wer das wäre“, so Lukas. „Die Antwort hat mich echt überrascht: Das ist der Zweitplatzierte! Fight for position war das Kommando. Wir lagen also in Führung! In dem Moment war ich ganz schnell komplett wach.“ Lukas konnte in der kommenden halben Stunde die Führung verteidigen, musste den Mercedes dann aber doch ziehen lassen und übergab das Auto nach einer knappen weiteren Stunde mit drei Sekunden Rückstand. „Der Mercedes ist nicht so hart zu den Reifen wie der Porsche und konnte deswegen sein Tempo halten. Ich habe ihn dann ziehen lassen müssen. Trotzdem finde ich es Wahnsinn, nach 19 Renn-Stunden nur einen Wimpernschlag Abstand zu haben.“ Schlussendlich brachte das Team den Porsche 997 GT3 R auf einem sehr guten zweiten Platz ins Ziel. „Während des Rennens sind weitere kleine Probleme aufgetreten und dazu noch zwei Zeitstrafen“, erzählt Lukas. „Da hatte jeder im Hinterkopf, dass der Sieg vielleicht doch möglich gewesen wäre bei einem Abstand von nicht mal fünf Minuten. Aber kaum standen wir auf dem Podium waren die Gedanken vergessen und wir haben einfach nur noch gefeiert.“ Das nächste Rennen findet für Lukas bereits am kommenden Wochenende statt dort startet er im Porsche Sports Cup auf dem österreichischen Red-Bull-Ring in einem Porsche 997 GT3 Cup.

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